Wer die sizilianische Lebensart einmal kulinarisch hautnah erleben möchte, kommt an einer frisch gebackenen Brioche col Tuppo kaum vorbei. Der kleine, buttrige Hefekuchen ist weit mehr als nur ein einfaches Gebäckstück; er ist ein fester Bestandteil der Frühstücks-Kultur und der Seele der süditalienischen Insel.
Der Duft von geschmolzener Butter, süßer Vanille und sonnengereiften sizilianischen Zitronen zieht durch die Küche und verwandelt den Raum im Handumdrehen in eine kleine Bäckerei an der Mittelmeerküste. Wer die Augen schließt, hört förmlich das Rauschen des Meeres und das leise Klirren von Eis in schweren Gläsern.
Was ist eine Brioche col Tuppo?

Die Brioche col Tuppo ist weit mehr als nur ein einfaches Hefegebäck – sie ist eine Liebeserklärung an die süße Lebensart Siziliens. Ihren charmanten Namen verdankt sie ihrer ganz eigenen Anatomie: Der kleine, aufgesetzte Teigball erinnert an den traditionellen Dutt, den die Frauen der Insel früher im Nacken trugen und der im lokalen Dialekt liebevoll als „Tuppo“ bezeichnet wird.
Ein solches Geschmackserlebnis verlangt nach Hingabe. Der Teig ist reichhaltig, butterweich und voller Charakter. Man knetet ihn geduldig, bis er glänzt und geschmeidig wird, und schenkt ihm dann die wichtigste Zutat von allen: Zeit. Die stundenlange Kühle des Kühlschranks verleiht ihm eine wunderbare Struktur und jene tiefe Aromatiefe, die das Original so unverwechselbar macht. Wenn sich schließlich die großen und kleinen Teigkugeln auf dem Blech vereinen und im Ofen eine goldbraune, glänzende Kruste entwickeln, liegt pure Vorfreude in der Luft.

Der magische Moment folgt beim Servieren. Traditionell wird die noch warme Brioche col Tuppo mit eiskalter, schmelzender Granita aus Kaffee und Sahne zum Frühstück serviert. Wer keine Granita zur Hand hat, greift zu cremigem Eis und streicht Kugeln von Schokoladeneis oder Pitazieneis hinein – eine erfrischende Offenbarung an heißen Sommertagen. Ein Biss genügt, und man reist im Kopf direkt unter die strahlende Sonne des Südens.
Seinen charmanten Namen verdankt das Gebäck einer ganz besonderen Silhouette: Der kleine Teigball, der oben auf der größeren Kugel sitzt, erinnert an den traditionellen Dutt, den die Frauen auf Sizilien früher im Nacken trugen und der im regionalen Dialekt treffend als „Tuppo“ bezeichnet wird. Der Ursprung dieses Gebäcks reicht tief in die sizilianische Backgeschichte zurück. Vor allem in den Regionen um Catania und Messina hat die Brioche eine lange Tradition. Während es verschiedene regionale Varianten gibt – manche mit einer helleren Kruste und weniger Eiern, andere mit einer intensiven gelben Kruste und einem höheren Fettgehalt –, bleibt der Grundcharakter immer gleich: unglaublich weich, aromatisch und von einem verführerischen Duft nach Zitrusfrüchten und Vanille begleitet.
Zutaten für das Brioche col Tuppo Rezept (für 10 Stück)

Da dieser reichhaltige Teig sehr viel Butter und Eier enthält, erfordert er etwas Geduld und die richtigen Grundzutaten. Ein starkes Mehl, wie das italienische Manitoba-Mehl, ist unerlässlich, um das schwere Fettgewebe des Teigs zu tragen. Auch die Aromen spielen eine entscheidende Rolle: Unbehandelte Bio-Zitronen und Orangen sorgen für die charakteristische Frische, die perfekt mit der Süße und der Butter harmoniert.
Zutatenübersicht für 10 Stück
- Für den Teig:
- 490 g Manitoba-Mehl
- 80 g kalte Milch
- 15 g frische Bierhefe oder 5 g Trockenhefe
- 180 g Volleier
- 15 g Honig vermischt mit den Samen einer halben Vanilleschote
- abgeriebene Zitronenschale
- abgeriebene Orangenschale
- 80 g Kristallzucker
- 180 g Butter
- 8 g feines Salz
Für die Glasur
- 1 Eigelb
- 15 g Vollmilch
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Sizilianische Brioche selber machen
Die sizilianische Brioche selber zubereiten ist eigentlich gar nicht so schwer, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint. Das Geheimnis liegt nicht in komplizierten Techniken, sondern in einer einzigen, kostbaren Zutat: Geduld. Wenn ihr dem Teig die nötige Zeit zum Gehen geben, werdet ihr mit einem Hefegebäck belohnt, das unglaublich fluffig, leicht und buttrig ist – genau so, wie es in einer guten Pasticceria in Sizilien schmeckt. Die charakteristische Form mit der kleinen Kugel oben, dem sogenannten „Tuppo“, macht sie dabei unverwechselbar.
Teig ansetzen und kneten


Manitoba Mehl, Bierhefe, Zucker und kalte Milch in eine große Schüssel geben. Von Hand oder mit dem Knethaken einer Küchenmaschine für etwa 5 Minuten kneten, bis der Teig leicht krümelig wird.
Nun die Eier, den mit Vanille verfeinerten Honig sowie die Zitronen- und Orangenschale dazugeben.


Diesen Knetvorgang für 15 bis 18 Minuten fortführen, bis sich der Teig vollständig von den Schüsselwänden löst und glatt wird. Die weiche Butter in drei Portionen aufteilen. Erst die nächste Portion hinzufügen, wenn die vorherige komplett vom Teig aufgenommen wurde. Zum Schluss das Salz einarbeiten. Der Teig sollte am Ende glänzend, glatt und geschmeidig sein.


Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche geben und nacheinander mehrmals von den Rändern zur Mitte hin einschlagen und falten. Danach zu einer Kugel formen.
Die wichtige Ruhe- und Kühlphase

Den Teig in eine große Schüssel geben und zunächst 2 Stunden bei Raumtemperatur, danach für 3 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Die Kühlung ist entscheidend, um den typischen Geschmack zu intensivieren und die Verarbeitbarkeit zu erleichtern.
Den Teig nach der Kühlphase etwa 30 Minuten akklimatisieren lassen.
Teigportionen formen und den „Tuppo“ setzen

Den Teig in 10 Stücke à 80 g (für den Körper) und 10 Stücke à 20 g (für den Tuppo) teilen. Alle Stücke rund formen.


Auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech den großen Teigball platzieren, eine kleine Vertiefung eindrücken und den kleineren Teigball (Tuppo) darauf setzen.


Die auf einen Backblech plazierten Brioches abdecken und an einem warmen Ort (ca. 26°C) für 90 Minuten gehen lassen.
Backen und glasieren


Nach dem Aufgehen die Oberfläche der Brioche mit der Mischung aus Eigelb und Milch bestreichen und Im vorgeheizten Umluftofen bei 180 °C für 20 bis 25 Minuten goldbraun backen.
Danach aus dem Ofen nehmen und auf einen Gitterrost bkühlen lassen, bevor sie mit reichlich Eiscreme gefüllt wird. Sie schmecken auch warm in ein er Kaffeegranita mit Sahne hervorragend.
Traditionelle Genussmomente: Wie isst man Brioche col Tuppo?

Schon in den frühen Morgenstunden gehört es zur Tradition, die butterweiche Brioche mit ihrer charakteristischen kleinen Haube in eine eiskalte Kaffeegranita zu tauchen, gekrönt von einer Haube aus frischer Sahne, die auf der Zunge zergeht.
Wenn die Sonne am Nachmittag ihren Höchststand erreicht und die Hitze über der Insel flimmert, verwandelt sich die Brioche. Sie wird großzügig aufgeschnitten und bis zum Rand mit cremiger, kühler Eiscreme gefüllt – eine himmlische Erfrischung direkt aus der Hand. Bestrichen mit hausgemachter Marmelade, Schokoladencreme, Nutella oder pur in eine heiße Tasse Milch getaucht sind sie ebenfalls ein Genuss.
Die ideale Größe für eine traditionelle Brioche col Tuppo liegt bei einem Gesamtgewicht von etwa 100 Gramm pro Stück, aufgeteilt in zwei Teile:
- Der Körper (Corpo): 80 Gramm Teig (geformt zu einer großen Kugel)
- Der Tuppo: 20 Gramm Teig (geformt zu der kleineren Haube)
Diese Grammzahl sorgt dafür, dass die Brioche nach dem Backen eine stattliche, typisch sizilianische Größe erreicht, die perfekt in eine Hand passt und sich ideal aufschneiden lässt, um sie mit einer großzügigen Portion Granita oder Eiscreme zu füllen. Wer kleinere Portionsgrößen für ein Frühstücksbuffet bevorzugt, kann das Gewicht auch aufteilen in 50 g für den Körper und 10 bis 15 g für den Tuppo.

Aufbewahrung und Haltbarkeit
Um die Frische zu bewahren, lassen sich fertig gebackene Brioches problemlos 3 bis 4 Tage in einer Plastiktüte bei Raumtemperatur aufbewahren. Alternativ können sie luftdicht verpackt bis zu 3 Monate im Gefrierschrank gelagert werden; kurz aufgebacken schmecken sie danach fast wie frisch aus dem Ofen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Rezept
Kann man anstelle von Manitoba-Mehl auch normales Weizenmehl verwenden?
Ja, das ist möglich, aber es wird nicht ganz dasselbe Ergebnis liefern. Da der Teig durch die große Menge an Butter und Eiern sehr schwer ist, sorgt das eiweißreiche Manitoba-Mehl (ca. 13–15 % Protein) für die nötige Stabilität und die fluffige, faserige Struktur.
Lässt sich der Teig am Vortag vorbereiten?
Ja, der Teig eignet sich hervorragend für eine längere, kalte Gührung. Nach dem ersten kurzen Gehen bei Raumtemperatur kann er bis zu 24 Stunden im Kühlschrank ruhen. Das verlängerte Kühlen verbessert sogar die Teigstruktur, den Geschmack und macht die Verarbeitung am nächsten Tag noch leichter.
Wie taut man gefrorene Brioches am besten wieder auf?
Brioches lassen sich sehr gut einfrieren. Gefrorene Brioches am besten über Nacht im Kühlschrank langsam auftauen lassen. Vor dem Servieren kurz bei etwa 160°C für 3 bis 5 Minuten im Ofen aufbacken, damit sie wieder wie frisch gebacken schmecken.
Weitere Rezepte
- Blätterteig Calzoni mit Schinken und Käse – einfaches Rezept aus Sizilien
- Peperonata – Süßsauer geschmorte Paprika aus Sizilien
- Pasta alla Carrettiera – Siziliens Spaghetti lecker zubereiten
Brioche col Tuppo: Die süße Verführung Siziliens
Gang: Dessert, GebäckKüche: Sizilianisch, ItalienischSchwierigkeit: Mittel10
Portionen40
Minuten25
Minuten6-7
StundenDas Genießen einer frisch gebackenen, duftenden Brioche con Gelato an einem lauen Sommertag ist weit mehr als nur ein Dessert oder Frühstück – es ist ein reines Lebensgefühl. Wenn die noch leicht warme, buttrige Brioche auf das eiskalte, cremige Gelato trifft, verschmelzen süße Nostalgie und pure Glückseligkeit zu einem unvergesslichen Genussmoment, der sofort von Sonne, dolce vita und mediterraner Leichtigkeit träumen lässt.
Zutaten
Für den Teig:
490 g Manitoba-Mehl
80 g kalte Milch
15 g frische Hefe oder 5 g Trockenhefe
3-4 Eier (Größe M)
15 g Honig vermischt mit den Samen einer halben Vanilleschote
etwas abgeriebene Zitronenschale oder Orangenschale
80 g Kristallzucker
180 g weiche Butter
8 g feines Salz
Für die Glasur:
1 Eigelb
15 g Vollmilch
Anweisungen
- Mehl, Bierhefe, Zucker und Milch in eine Schüssel geben und vermengen. Mit dem Knethaken einer Küchenmaschine verkneten. Nach etwa 5 Minuten, wenn der Teig leicht krümelig wird, die Eier, den mit Vanille verfeinerten Honig sowie die Zitronenschale hinzufügen und weiterkneten.
- Die Hauptknetphase dauert circa 15 bis 18 Minuten. Sobald sich der Teig vom Rand und Boden der Schüssel löst, die weiche Butter in drei Portionen zusammen mit dem Salz hinzufügen. Wartet jeweils, bis die Butter vollständig eingearbeitet ist, bevor ihr die nächste Portion dazu gebt.
- Der Teig sollte nun schön glatt sein. Gebt ihn auf eine bemehlte Arbeitsfläche und faltet ihn ein paar Mal. Das wiederholt ein paar Mal. Danach den Teig zu einer Kugel formen und in ein leicht bemehltes Gefäß legen. Abgedeckt für 2 Stunden bei Raumtemperatur ruhen lassen und anschließend für 3 Stunden im Kühlschrank geben.
- Nach dem Ruhen im Kühlschrank dien Teig herausnehmen und etwa 30 Minuten akklimatisieren lassen. Anschließend den Teig mit einer Waage ein 10 Stücke à 80 g und 10 Stücke à 20 g teilen, und mit der Hand zu Kugeln formen. Mit allen großen und kleinen Teigstücken genauso verfahren.
- Legt ein Backblech mit Backpapier aus und platziert den größten Teigball darauf. Formt in der Mitte einen Kreis (Loch) und legt den kleineren Teigball darauf. Das Blech mit einem Küchentuch abdecken und den Teig für 90 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen.
- Nach dem Aufgehen die Oberfläche der Brioche mit der Mischung aus Eigelb und Milch bestreichen und im Umluftofen bei 180°C für 20-25 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen und auf einen Gitter abkühlen lassen.







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